Montag, 26. September 2016

Wohin nur, wohin?

Migration: JedeR achte der fast 25 Millionen Menschen, der/die vor Krieg und Gewalt fliehen, landet schließlich nur in einem anderen Land mit schwerwiegenden Konflikten. Darauf weist Oxfam in einer Studie hin (hat tip Entwicklungspolitik Online).

Migration II: Das Weltwirtschaftsforum (ja, die, die sich immer in Davos treffen), hat einige interessante Fakten zu Migration in/nach Europa in Kartenform bereitsstellen lassen.  Hat tip Andreas aus Karlsruhe. Hier die zwei wichtigsten:


Migration III: Flucht aus Ägypten. Jetzt werden die Folgen des Militärputsches allmählich sichtbar, mit dem der arabische Frühling in Ägypten erstickt wurde. Auch die verfehlte IWF-Politik (MediaWatch berichtete 1, 2) spielt eine wichtige Rolle. Die Menschen sind offensichtlich verzweifelt und sehen wohl keinen anderen Ausweg mehr. Über die Voraussetzungen, die ein Flüchtlingsabkommen zwischen der EU und dem Nilland ermöglichen könnten, schreibt das Neue Deutschland:
(...) das EU-Türkei-Abkommen habe ja gezeigt, dass eine solche Zusammenarbeit möglich sei, ohne eigene Prinzipien aufzugeben. Welche Prinzipien meint [EU Parlamentspräsident Martin] Schulz? Das der Grenzsicherung der Wohlstandsinsel EU auf Kosten des Asylrechts? Solidarität, Humanität und Menschenrechte können es nicht sein. Denn die wurden dem Tauschhandel mit der Türkei geopfert. Von Menschenhandel, Deportation und der Preisgabe des Asylrechts sprechen Intellektuelle und Menschenrechtsorganisationen. Zu Recht.

Donnerstag, 22. September 2016

Westliche Hybris gebiert neue Held(inn)en

Von Dissent über RT deutsch und wikipedia bis zu Zeit (online) wollen alle dabei sein, wenn es neue Held(inn)en zu knipsen gibt. Leute, ihr nervt.

Niemand ist dadurch entschuldigt, dass die sonstigen Kriegsteilnehmenden durchweg Unsympathen sind: Syrische "Opposition", Daesh, hartleibige Islamisten, syrische, russische, türkische, irakische und US-amerikanische Soldaten, Privatfirmen, sunnitische Söldner, schiitische Verbände etc...

Mediawatch wird sich weiterhin nicht mit Kriegsästhetik und Heldenepen abfinden - auch dann nicht, wenn die Helden Heldinnen sind und auf der "richtigen" Seite stehen. Wer jetzt die Belege sehen will, bitte schön:

Donnerstag, 15. September 2016

Fundstücke CCXXXII


Indien: Frontline widmet seine akuelle Ausgabe dem Thema  psychische Erkrankung und Behinderung. Das indische Unterhaus hat gerade ein neues Gesetz dazu verabschiedet.
Delhi hat den USA die Nutzung seiner Militärbasen erlaubt (AsiaTimes). Davon erhofft man sich langfristig Zugang zu hochwertiger US-amerikanischer Militärtechnologie.

Mosambik: Weitere schmuddelige Details des "Entwicklungshilfe"projekts zum angeblichen Ausbau der Fischereiflotte bringt Telepolis.

Elfenbeinküste/Giftmüll: Zehn Jahre ist der schwere Giftmüllunfall in einem Vorort von Abidjan nun her (MediaWatch berichtete, 2). Amnesty International hat den Fall noch einmal aufgegriffen - mit wenig überraschenden Ergebnis: Sowohl die Regierung als auch die schuldige Firma Trafigura lassen die Betroffenen im Stich. Ten years after toxic waste dumping, victims in the dark, Trafigura. A Toxic Journey, Trafigura unrepentant 10 years after toxic waste dump.

Ägypten: MediaWatch hatte in den letzten Fundstücken darauf hingewiesen, dass in dem Nilland ein IWF-Programm läuft. Jetzt bietet Heiner Flassbeck in Makroskop eine Analyse: "Ägypten, das karge Brot des IWF und die nächste Flüchtlingswelle". Unbedingt bis zum Ende lesen.

Wirtschaft: "Ein schwarzer Tag für die Welternährung" sei die Übernahme von Monsanto durch den Bayer-Konzern, warnt die Coordination gegen Bayer-Gefahren (CBG):
Bei den Pestiziden erreichen BAYER und MONSANTO zusammen einen Marktanteil von rund 25 Prozent, beim Saatgut für gentechnisch veränderte und konventionelle Ackerfrüchte einen von rund 30 Prozent. Allein die Gen-Pflanzen betrachtet, erreichen die beiden Gesellschaften vereint mit weit über 90 Prozent sogar eine klare Monopol-Stellung.
Partizipation: Dass Soziale Medien - richtig genutzt - tatsächlich helfen können, politische Veränderungen anzuschieben, belegen sorgfältig die Nachdenkseiten. (Übrigens hatte das US-Präsident Barack Obama in seinem ersten Wahlkampf 2008 schon sehr erfolgreich vorgemacht.) Fragt sich, ob ähnliche Erfolge auch außerhalb des angelsächsischen Raums oder gar in Entwicklungsländern möglich werden. Denn sperren lassen sich solche Dienste leicht.

Gesundheit: Der Kampf gegen die Leishmaniose zeitigt Erfolge, wird aber noch eine Menge Zeit in Anspruch nehmen (Asia Times). Nach Malaria fordert diese Infektion derzeit weltweit die meisten Opfer.

Umwelt: Gerade hat der stärkste Tropensturm der Saison Taiwan getroffen und den Süden Chinas gestreift (Al Jazeera). Meranti ist das drittstärkste jemals gemessene Sturmtief mit Dauer(!)windgeschwindigkeiten um 290 km/h. Bisher 83 Tote und 1,5 Mrd. US-Dollar Sachschäden. Würde so etwas in den USA passieren, wir würden im Stundentakt auf dem Laufenden gehalten. Wichtiger aber ist:
All this coincides with the release of a study which concludes that the typhoons of the northwestern Pacific have increased in strength over the past 40 years. (...) the frequency of the strongest cyclones (Category 4 to 5) increased from once a year, to four times a year. The researchers ascribed the increased frequency to a warming of around 0.8 C in Asian coastal waters (...)
Internetzensur durch Privatfirmen wird zum Problem ob in Deutschland, Norwegen oder in den USA.

Deutschland: Der Bericht zur Wirklichkeit der Entwicklungshilfe kommt 2016 von einer neuen Autorin und in neuem Format.

Dienstag, 13. September 2016

Wirtschaft und Menschenrechte - Anspruch und Wirklichkeit

Seht euch / sehen Sie sich das zwei Jahre Filmchen des Auswärtigen Amtes über den Nationalen Aktionsplan Wirtschaft und Menschenrechte an


um es dann mit diesen Beitrag vom ARD-Magazin Monitor zum (vorläufigen) Ergebnis der Verhandlungen zu vergleichen:

Dienstag, 30. August 2016

Wir schaffen das?

Politisches Asyl ist ein Menschenrecht, über das hier nicht gestritten werden wird, weil es unbestreitbar ist.

Und Migration ist nur ein Randgebiet dieses Blogs. Aber an dieser Stelle sei doch einmal an grundlegende volkswirtschaftliche Bedingungen erinnert, unter denen Migration stattfindet. Das Gesetz von der Lohnkonvergenz lehrt, dass die Löhne in Ländern, aus denen Arbeitskräfte abwandern, tendenziell steigen, während die Einkommen der abhängig Beschäftigten in den Aufnahmeländern unter Druck geraten.


Die gewerkschaftsnahe Hans Böckler Stiftung analysiert die Situation für die Zeit der Einwanderung von Millionen Gastarbeitern in die Bundesrepublik denn auch so
Die Hauptprofiteure waren jedoch die Unternehmen in einigen Wirtschaftszweigen. Aus ihrer Sicht weiteten Gastarbeiter das Arbeitsangebot aus, dämpften den Lohnanstieg und sorgten mit ihren niedrigen Stundenlöhnen dafür, dass das wirtschaftliche Wachstum bei hohen Gewinnen aufrecht erhalten werden konnte.
Die Lohnkonvergenz wirkt übrigens auch umgekehrt. Um nur ein Beispiel zu nennen: Aufgrund der vielen indischen Gastarbeiter in etwa den Vereinigten Arabischen Emirate sind die Löhne am Bau in Indien gestiegen.

Montag, 22. August 2016

Spiele von Reichen für Reiche

Kaum einer hatte Geld zum Zugucken (vgl. Angry Arab, RP Online, t-online) und die Medaillen haben sowieso die Anderen mit nach Hause genommen.
Das Refugee Olympic Team ist auch leer ausgegangen. Ob es da noch etwas hilft, die Gastgeber anzuprangern?

Freitag, 19. August 2016

Fundstücke CCXXXI

BrasilienInteressante Argumente wirft Makroskop in die Diskussion um die wirtschaftliche Malaise in Brasilien ein.

Bolivien: Die Wirtschaft wächst, der Staat investiert, und das kommt auch bei den Menschen an (amerika 21). Also sind "fließendes Wasser, Elektrizität und Telekommunikation" in dem Andenland heute deutlich verbreiteter als noch vor zehn Jahren". Allerdings wird Boliven gerade von einer schweren Dürre heimgesucht.

Südsudan: Präsident Salva Kiir scheint im Machtkampf gegen Riek Machar derzeit vorne zu liegen. Und natürlich möchte Kiir gerne bei der geplanten Stationierung von 4.000 zusätzlichen UN-Soldaten ein Wörtchen mitreden (beides East African). Machar hat sich jetzt aus dem Südsudan abgesetzt.

Libyen: Angesichts des wachsenden militärischen Drucks in der Sirte wird Daesh in die Wüste im Südwesten des nordafrikanischen Landes ausweichen, prognostizert Al Ahram weekly. Auch diese Militärintervention des Westens verspricht sehr unübersichtlich zu werden.

Ägypten privatisiert öffentliche Unternehmen, darunter Banken, Energieversorger und Ölfirmen. Das soll umgerechnet bis zu einer Milliarde US-Dollar jährlich bringen. Gleichzeitig sollen die Subventionen für elektrische Energie zurückgefahren werden, und die Preise um mindesten 20 Prozent steigen. Das Nilland will so Auflagen des IWF erfüllen... (beide Meldungen Al Ahram)

Israel: MediaWatch befürchtet, dass aus 14 Jahren Mauerbau mehr als 55 Jahre werden könnten ...

Syrien: Eine Reihe asiatischer Staaten sieht die Entwicklungen im Zuge der Schlacht um Aleppo mit Unbehagen, schreibt die Asia Times.

China hat einen Satelliten für Quantenkommunikation(!) gestartet (China Daily). Peking ist offensichtlich fest entschlossen, abhörsichere Kommunikationsmöglichkeiten zu installieren.

Gesundheit: Von vielversprechenden Ansätzen im Kampf gegen Leishmaniose, Schlafkrankheit und die Chagas-Erkrankung berichtet Science Daily (1), (2).
In Florida, USA will  man dem Zika Virus mt gentechnisch veränderten Mücken zu Leibe rücken (transGEN). Ein Freilandversuch ist genehmigt.

Die Weltbank senkt ihre Umwelt- und Sozialstandards (Entwicklungspolitik Online).

Weltwirtschaft: Die ökonomische Aufholjagd der Entwicklungsländer sei vorbei, schreibt das Neue Deutschland.

Tourismus: Makronom bietet einen guten Überblick über diese globale Industrie (mit sehr guten Grafiken).

Terror hat eine ökonomische Grundlage, die Marc Engelhardt in der WoZ sichtbar zu machen sucht.

Deutschland: Die Kriegsschreiber machen einfach immer weiter (NDS). "Qualitätsjournalismus ist Friedensjournalismus", meint zwar die Bundeszentrale für politische Bildung unter dem Titel "Konfliktsensitiver Journalismus". Wohl nie gehört, ist ja wohl Wolkenkuckucksheim.

Sieben Tage hat der NDR die Leute von SOS Mediterranee bei ihren Bemühungen begleitet, Flüchtlinge vor der Küste Libyens zu retten.