Freitag, 20. März 2015

“Fairer People = Beautiful People = Powerful People“

Eine Ausstellung zum indischen Rassimus von heute

Ein hochinteressantes Porträtprojekt initiierte der Künstler Arpan Mukherjee (CV), Kunstprofessor an der Visva Bharati Universität in Santineketan, das noch bis zum 26. März im Foyer des Navy and Army Building in Mumbai zu sehen ist. Die Ausstellung entstand zusammen mit der Kala Ghoda Association zum FOCUS-Photography Festival. Mukherjee lud junge Inder zwischen 20 und 30 Jahren mit sehr dunkler Hautfarbe ein, sich von ihm in der alten Technik der Porträtfotografie ablichten zu lassen.

Porträtfoto von Arpak Mukherjee
Die Technik unterdrückt gelbliche und rötliche Töne und macht hellere Hauttöne eher dunkler, während dunkle Hauttöne als fast schwarz abgelichtet werden, worauf Mukherjee alle Beteiligten hinwies. Sie wurde auch zur Dokumentation während der britischen Kolonialzeit in Indien  verwendet. Die Mehrzahl der Beteiligten bestätigten, wegen ihrer dunklen Hautfarbe oft diskriminiert zu werden. Obwohl dieser Rassismus von ihnen auf den Kolonialismus zurückgeführt wurde, dauert er bis heute an.

Porträtfoto von Arpak Mukherjee (Ausschnitt)

Diese schmerzliche Erkenntnis rief eine Diskussion über helle Haut als Merkmal von Schönheit und Macht hervor. Die meisten der Porträtierten glaubten, dass auch in der öffentlich-politischen Sphäre hellhäutige Menschen die besseren Chancen hätten. 

Porträtfoto von Arpak Mukherjee
(Ausschnitt)

Außer einem Hinweis, die TeilnehmerInnen sollten sich als schön und machtvoll ("powerful") zeigen, überließ Mukherjees ihnen die Ausgestaltung der Portraits Vorgabe komplett. Einige Teilnehmende schminkten sich für ihre Fotos daher sogar weiß.

Porträtfoto von Arpak Mukherjee

Die Kosmetikindustrie verdient jährlich Milliarden an sogenannten Aufhellcremes, und wer auch nur eine halbe Stunde indisches Fernsehen gesehen hat, kennt den extrem hohen Werbeanteil von sogenannten "fair and lovely"-Produkten, die dunkle Hautfarbe als schmutzig und sogar als bakteriell verunreinigt impliziert.

Porträtfoto von Arpak Mukherjee

Eine ganze Reihe der Porträtierten hatten bereits mit solchen Kosmetikprodukten Erfahrung, die meisten waren vom Ergebnis enttäuscht. Einige lehnten jede Diskussion über ihre Hautfarbe ab, sie zeigten sich teilweise mit dem Rücken zur Kamera.

Porträtfoto von Arpak Mukherjee

Die Fotos strahlen eine große Präsenz aus. Mit ihnen zielt Mukherjee mitten in den blinden Fleck, der alles Diskriminierende auf die Kolonialzeit bezieht und den eigenen Rassismus verschweigt. Hier stimmen das Konzept und das, was man zu sehen bekommt, einmal vollständig überein - eine Seltenheit in der ansonsten konzeptverliebten Kunstszene, deren Theorien sich so selten mit den ausgestellten Werken decken.  

Alle Fotos: Ina Zeuch

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